1941
it is the policy of the United States to encourage full participation in the national defense program by all citizens of the United States, regardless of race, creed, color, or national origin, in the firm belief that the democratic way of life within the Nation can be defended successfully only with the help and support of all groups within its borders. […]
There is established in the Office of Production Management a Committee on Fair Employment Practice
Franklin D. Roosevelt: Executive Order 8802 (Fair Employment Act), 25.
Juni 1941 (http://docs.fdrlibrary.marist.edu/od8802t.html).

2000
P[artizipation] in der Politik bedeutet alle Handlungen, die Bürger einzeln oder in Gruppen freiwillig mit dem Ziel vornehmen, Entscheidungen auf den verschiedenen Ebenen des politischen Systems (Gemeinde, Land, Bund, evtl. supranationale Einheiten) zu beeinflussen und/oder selbst zu treffen. Diese instrumentelle Definition von P. heißt nicht, daß in der Realität nicht auch Fälle auftreten können, in denen P. im Rahmen z.B. von Gruppenaktivitäten ohne eigene pol. Zielsetzung stattfindet (expressive P.). Mit der Beschränkung auf konkrete Handlungen sind zunächst Einstellungen gegenüber P. ausgeklammert.
Max Kaase: Partizipation, in: Everhard Holtmann (Hg.): Politik-Lexikon, München 2000, S. 466-470, hier S. 466.

2008
Die Grundsätze dieses Übereinkommens sind: a) die Achtung der dem Menschen inne-wohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit; b) die Nichtdiskriminierung; c) die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft [engl.: Full and effective participation and inclusion in society]; d) die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit; e) die Chancengleichheit; f ) die Zugänglichkeit; g) die Gleichberechtigung von Mann und Frau; h) die Achtung vor den sich entwickelnden Fähigkeiten von Kindern mit Behinderungen und die Achtung ihres Rechtsauf Wahrung ihrer Identität.
Gesetz zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, in: Bundesgesetzblatt 2008, II, Nr. 35, ausgegeben zu Bonn am 31. Dezember 2008, S. 1419-1452, hier S. 1424.

2010
Partizipation bei politischen Prozessen zu gewähren bedeutet, menschenrechtliche Anforderungen zu erfüllen. Darüber hinaus gründet sich sinnvoll gestaltete Partizipation auf die Anerkennung des Menschen als Rechtssubjekt und -träger der menschlichen Würde. So kann die Partizipation von behinderten Menschen zu qualitativ besseren Resultaten politischer Prozesse führen, je stärker die Meinungen und Erfahrungen behinderter Menschen beachtet werden. Die Maßnahmen können zielgenauer und wirkungsorientierter gefasst werden. Durch partizipative Prozesse entstehen Netzwerke, die für die Umsetzung von Strategien und Programmen wichtig sind. eine Politik, die die betreffende Gruppe einbezieht, wird von dieser eher akzeptiert.
Marianne Hirschberg: Partizipation ‒ ein Querschnittsanliegen der UN-Behindertenrechtskonvention, in: Deutsches Institut für Menschrechte. Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention (Hg.): Positionen Nr. 3, Berlin 2010, S. 3.

2017
Die gleichberechtigte Partizipation behinderter Menschen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen ist eine langjährige Forderung der emanzipatorischen Behindertenbewegung (Sabatello 2014). Deren internationaler Slogan Nothing about us without us! (Nichts über uns ohne uns!) verweist darüber hinaus vor allem in das Feld der Politik und soll sicherstellen, dass behindertenpolitische Maßnahmen nicht ohne die aktive Beteiligung von Menschen mit Behinderungen verabschiedet werden. Durch die Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verpflichtet sich ein Staat, dass er »kein Gesetz, das jegliche Lebensbereiche behinderter Menschen betrifft, keine Verwaltungsvorschrift oder Maßnahme entwickeln und durchführen soll, ohne behinderte Frauen, Männer und Kinder und ihre Organisationen umfangreich und aktiv einzubinden« (Hirschberg 2010, 3). In diesem Sinn bedeutet Partizipation wesentlich mehr als bloßes Mitmachen oder Dabeisein im Alltag, denn es geht um effektive Einflussnahme, Mitbestimmung und Entscheidungsmacht in der Gesellschaft. Um dies zu ermöglichen, müssen »inklusive Beteiligungsformate« (Palleit & Kellermann 2015, 278) entwickelt und auf allen Ebenen implementiert werden.
Petra Flieger: Partizipation, in: Kerstin Ziemen (Hg.): Lexikon Inklusion, Göttingen 2017, S. 179-180, hier S. 179.

2020
Partizipation
, [1] allgemeine Bezeichnung für die Teilhabe und Teilnahme von (einfachen) Mitgliedern einer Gruppe, einer Organisation usw. an deren Zielbestimmung und Zielverwirklichung.
[2] Auch: Politische Beteiligung oder Teilnahme, Mitbestimmung, Bezeichnung für den Vorgang, durch den die Mitglieder einer Gesellschaft ihre Wünsche und Vorstellungen an die politischen Institutionen vermitteln und ggf. (z.B. auf kommunaler Ebene) an Entscheidungsprozessen und ihrer Umsetzung mitwirken. Unterschiedliche demokratietheoretische Ansätze sehen in der P. entweder eine Form der Verwirklichung von Demokratie selbst (Mitbestimmung, Emanzipation) oder in einem Zuviel an P. Gefahren für die Stabilität eines politischen Systems.
Werner Fuchs-Heinritz und Wendelin Strubelt: [Art.] Partizipation, in: Daniela Klimke et al. (Hg.): Lexikon zur Soziologie, 6. Aufl. Wiesbaden 2020, S. 572.

 

Literatur

Frank Hollihn: Partizipation und Demokratie. Bürgerbeteiligung am kommunalen Planungsprozeß?, Bern 1978.

Klaus Held: Die Philosophie und der radikaldemokratische Partizipationsbegriff, Wuppertal 1980.

Gesine Schwan: Partizipation, in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, Bd. 11, Freiburg im Breisgau 1981, S. 41-78.

Max Kaase: Partizipation, in: Everhard Holtmann (Hg.): Politik-Lexikon, München 2000, S. 466-470.

Charles Goodwin und Marjorie H. Goodwin: Participation, in: Alessandro Duranti (Hg.): A Companion to Linguistic Anthropology. Malden 2004, S. 222-244.

Alfons Bora: »Partizipation« als politische Inklusionsformel, in: Christoph Gusy und Heinz-Gerhard Haupt (Hg.): Inklusion und Partizipation. Politische Kommunikation im historischen Wandel, Frankfurt am Main 2005, S. 15-34.

Volker Gerhardt: Partizipation. Das Prinzip der Politik, München 2007.

Niklas Kunstleben: Partizipation im Digitalen Zeitalter. Die Begriffsgeschichte der politischen Partizipation in der Bundesrepublik Deutschland von den Nachkriegsjahren bis zur digitalen Revolution, München 2017.

Bettina M. Bock und Philipp Dreesen: Sprache und Partizipation, in: Bettina M. Bock und Philipp Dreesen (Hg.): Sprache und Partizipation in Geschichte und Gegenwart, Bremen 2018, S. 5-16.

Thomas Niehr: Partizipation – zur Geschichte eines politischen Hochwertwortes, in: Bettina M. Bock und Philipp Dreesen (Hg.): Sprache und Partizipation in Geschichte und Gegenwart, Bremen 2018, S. 19-36.

Heidrun Kämper: Partizipationskonzepte in der frühen Weimarer Republik, in: Bettina M. Bock und Philipp Dreesen (Hg.): Sprache und Partizipation in Geschichte und Gegenwart, Bremen 2018, S. 37-51.

Daniela Rojatz: Mitgestaltung des Gesundheitssystems durch Selbsthilfeorganisationen, in: Bettina M. Bock und Philipp Dreesen (Hg.): Sprache und Partizipation in Geschichte und Gegenwart, Bremen 2018, 159-174.

Ute K. Boonen, Derya Gür-Şeker und Jan Philipp Thomeczek: Partizipation populistischer Akteure im Zeitalter digitaler Medien, in: Bettina M. Bock und Philipp Dreesen (Hg.): Sprache und Partizipation in Geschichte und Gegenwart, Bremen 2018, S. 213-235.

Steffen Pappert und Ruth M. Mell: Partizipationspraktiken in den Protestdiskursen 1968 und 1989, in: Bettina M. Bock und Philipp Dreesen (Hg.): Sprache und Partizipation in Geschichte und Gegenwart, Bremen 2018, S. 237-255.

Bettina M. Bock: Sprache und Partizipation: Barrieren und Teilhabe, in: Frank Liedtke und Astrid Tuchen (Hg.): Handbuch Pragmatik, Stuttgart 2018, S. 345-357.